Die Genoss*innen der CNT-IAA (Initiative 46 im Departement Lot)
solidarisieren sich mit den landesweiten Massenprotesten gegen hohe #Lebenshaltungskosten und die Krise im #Bildungssystem, die mit massiver #Polizeigewalt angegriffen werden:
« Wenn der Staat wackelt, prügelt die Polizei und die Jugend zahlt den Preis
Der Staat hatte immer Angst vor den Bewegungen junger Menschen, weil sie ohne viel Geld, ohne offizielle Sprecher*innen und damit unkontrollierbar sind. Aber man hatte selten so heftige Unterdrückung erlebt.
7.000 Verhaftungen gab es und einem 15-jährigen wurde eine Hand mit dem Unterarm durch die Explosion einer Knall-Granate abgerissen. Einer weiteren 14-jährigen Person, die eine Knall-Granate voll ins Gesicht bekommen hat, wurde ein Auge weggeschossen. Dutzende andere wurden verprügelt und verletzt, auf dem Straße oder in den Polizeistationen misshandelt. Dies ist die Antwort der Macht auf die Abtrünnigen angesichts der legitimen Wut der Schüler*innen.
Das ist skandalös und empörend!
Diese Polizeigewalt sind keine Unfälle, wie [Premierminister] Lecornu nicht zögerte sie darzustellen: ihre Häufigkeit und ihre Wiederholung beweisen, dass sie systematisch sind.
(Erinnern wir uns an die Unterdrückung der Gelbwesten und der Dutzenden von weggeschossenen Augen bei der Demo von Sainte Soline, an den Tod von Rémi Fraisse in Sievens – ganz zu schweigen von der fast alltäglichen Gewalt gegen die Einwohner*innen der Armenviertel.)
Diese Gewalt zielt darauf ab, Demonstrant*innen zu terrorisieren, denn sie versucht junge Menschen und die Bevölkerung als Ganzes davon abzuhalten, zu demonstrieren, auf die Straße zu gehen – einfach zu kämpfen.
Es wird nach und nach deutlich, dass die Demonstrant*innen von der Polizei als Feinde im Inneren angesehen und daher als solche behandelt werden. Im Moment, wie bereits in anderen Momenten der Geschichte, werden also zwei Sorten von Staatsbürger*innen geschaffen: die guten Bürger*innen und die inneren Feinde. (In diesem Zusammenhang war es interessant, einen gewissen sprachlichen Ausrutscher zu bemerken, der kürzlich in den Medien zu hörten war wurde: die Ordnungskräfte wurden als „innere Sicherheitskräfte“ bezeichnet.) Diese Art von Kategorisierungen riecht übel nach Faschismus.
Den herrschenden Medien kamen die Gewalttaten gerade richtig, damit sie den Kampf endlich als die wahren Verbrecher darstellen können.
Wer ist für die Klimazerstörung verantwortlich? Wer trägt die Verantwortung für Riesen-Brände, die auf dem ganzen Planeten wüten? Wer vergiftet das Wasser der Flüsse, die Luft, die Erde und das Meer? Wer schürt mehr als hundert Kriege in der Welt, indem er den Kriegsherr*innen „immer wirksamere“ Waffen zur Verfügung stellt? Wer ist für den Tod von tausenden Kriegsopfern verantwortlich? Wer zerstört absichtlich den Planeten? Wer nutzt die Mehrheit der Weltbevölkerung schamlos aus zugunsten einer kleinen Minderheit von Privilegierten?
Zweifellos ist der Chef aller Verbrecher*innen, der oberste Gangster, der Champion aller Kategorien: das kapitalistische System.
Solange der Kapitalismus weiter den Planeten beherrscht, wird sein zerstörerisches Werk kein Ende haben. Treu gestützt durch seinen Diener, den Staat – und durch seine Söldner*innen: Armee, Polizei, Gerichte, usw.
Der Kapitalismus ist unser gemeinsamer Feind, egal ob als Oberschüler*innen oder als junge Arbeiter*innen, ob als Rentner*innen oder Arbeitslose, als Arbeiter*innen oder Selbständige – hier geboren oder anderswo.
Vereinigen wir unsere Kräfte, um dieses System zu überwinden. Misstrauen wir der Vereinnahmung und den Verhandlungen, die oft mit Verrat enden. Entscheiden wir selbst, wie unser Leben sein soll. Hören wir auf, es den Entscheidungsträger*innen anzuvertrauen, die nur daran denken, ihre eigenen Privilegien zu schützen.
Gegen die kapitalistische, höchst ungleiche und ungerechte Gesellschaft! Gegen die Mächtigen dieser Welt, die eiskalt die Möglichkeit eines dritten Weltkrieges in Betracht ziehen!
Organisieren wir unsere Kämpfe selbst, hin zu einer Gesellschaft, die so gleichberechtigt wie möglich arbeitet. In der alle Entscheidungen ohne Hierarchie und ohne Anführer*innen getroffen werden.
Für eine andere Zukunft, für die allgemeine Selbstverwaltung der Gesellschaft – für den freiheitlichen Kommunismus! »
Originaltext:
https://cnt-ait.info/2026/10/17/etat-t
Frankreich: Landesweiter Protest gegen die Regierung
Das Ausmaß der landesweiten Proteste in #Frankreich ist den bürgerlichen Medien zufolge überraschend: In mehreren Städten der Republik gingen am 17. Oktober Hunderttausende Menschen auf die Straße und wurden mit massiver #Polizeigewalt angegriffen.
Die lautstarke und kreative Demonstration in #Paris, zu der nicht nur Schüler*innen, Lehrer*innen, Studierende und deren Angehörige sich auf dem zentralen Place de la République versammelt hatten, wurde von Anfang an mit Tränengas-Granaten beschossen und konnte nicht wie geplant loslaufen.
Zehntause Demonstrant*innen mussten in die Seitenstraßen ausweichen und es folgten stundenlange Straßenschlachten, bei denen zahlreiche Autos in Flammen aufgingen, brennende Barrikaden aus Mülltonnen und Leihfahrrädern errichtet wurden und einige Geschäfte geplündert wurden. In den Medien werden die Straßenkämpfe als „Aufstand“ bezeichnet und die Politiker*innen machen „linksradikale Randalierer“ für das „Chaos“ verantwortlich, wobei von den Vermummten auch zahlreiche französische Nationalfahnen getragen wurden.
Das besondere an dem Protesttag war jedoch, dass sich die seit Wochen anhaltende Bewegung der Schul-Blockaden gegen den #Bildungsnotstand, welche die Staatsgewalt bereits versucht hatte brutal zu unterdrücken, nun gesellschaftliche Unterstützung bekam. Nicht nur Angehörige von Schüler*innen schlossen sich den Demonstrationen an und versammelten sich in mehreren Städten wie Brest, Bordeaux, Lille, Lyon, Marseille, Montpellier oder Rennes. Sondern auch die gegen steigende #Lebenshaltungskosten protstierenden Gelbwesten (#GiletsJaunes) und einige linke Gewerkschaften stellten auf den Demos soziale Forderungen an die Regierung.
Das wirtschaftsliberale Kabinett unter Präsident Macron, das sich in den letzten Monaten seiner Amtszeit mit Sparpolitik, Repression und Militarisierung weiter unbeliebt macht, steht im Wahlkampf unter dem Druck der rechtspopulistischen Konkurrenz des „Rassemblement National“ (RN). Auch die linkspopulistische Partei „La France Insoumise“ (LFI) versucht aus der jugendlilch geprägten Protestbewegung politisches Kapital zu schlagen und versucht die Schulbesetzungen zu vereinnahmen.
Militatnte Straßenkämpfe sind in dieser Situation ein klares Zeichen, dass die ungezügelte Wut der Jugendlichen, Arbeiter*innen, Studierenden und Rentner*innen sich nicht so leicht in gemäßigte Bahnen lenken lässt. Anstatt mit reformistischen Anführer*innen „konstruktive“ Verhandlungen führen zu können, steht die bürgerlichen Politik einer massenhaften Unzufriedenheit mit dem kapitalistischen System gegenüber.
Anstatt, wie die Gewerkschaftsbürokratie nur eine Erhöhung der Löhne und Renten angesichts steigender Preise zu fordern und die Reste des kaputtgesparten Sozialstaats zu verteidigen, finden auf den Straßen massenhaft #direkteAktionen statt. Ohne stellvertretende Sprecher*innen, die mit ein paar harmlosen Zusagen ruhiggestellt werden können, stürmen die Protestierenden tausende Geschäfte, plündern Lebensmittel, Elektro- und Sportartikel. Voller Wut auf das repressive System zerstören sie symbolische Gebäude: Polizeistationen, städtische Einrichtungen und Restaurants, wobei besonders die Brandstiftung im historischen Rathaus der Stadt Limoges die Öffentlichkeit erregt.
Die rund 10.000 eingesetzten Beamt*innen von Polizei und Gendarmerie nahmen landesweit nicht nur rund 1.800 Menschen in Gewahrsam, sondern die Angriffe der Staatsgewalt verursachten auch tausende Verletzungen. In Saint-Etienne wurde einem 17-jährigen durch eine Knall-Granate der Polizei eine Hand abgerissen. Außerdem gibt es Berichte, dass ein*e Demonstrant*in während der Proteste an Herz-Kreislauf-Versagen gestorben sei. Auch viele Polizist*innen und Feuerwehrleute seien verletzt worden, denn sie wurden massiv mit Wurfgeschossen und Pyrotechnik angegriffen, während die Sicherheitskräfte versuchten die unerwünschten Versammlungen mit Knüppelschlägen, Tritten, Tränengas- und Knallgranaten, sowie Wasserwerfern aufzulösen.
Ob sich die gemeinsame Bewegung aus Schul-Blockaden, Gelbwesten und Gewerkschaften auch in den kommenden Monaten wieder auf der Straße versammeln wird, bleibt abzuwarten. Ein Bündnis reformistischer Gewerkschaften ruft für den 5. November zu einem branchenübergreifenden Streiktag gegen niedrige Löhne und hohe Preise, sowie zur Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums auf.
Dass bisher kein gemeinsamer Aufruf zum #Generalstreik formuliert wurde, zeigt jedoch den eher politischen Charakter der Proteste, die weniger auf wirtschaftlichen Druck und #Selbstorganisation in den Betrieben oder Stadtteilen ausgerichtet ist. Und stattdessen ihre Forderungen nach mehr finanzieller Unterstützung meist an die unbeliebte Regierung richten, auch wenn sie dort auf wenig Verständnis hoffen können.